RÜCKBLICK
Tanz-Resonanz – Künstlerische Weltbeziehungen in Bewegung
Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung e.V. (gtf)
Wien, 25. bis 27. September 2025
In Kooperation mit dem Artistic Research Center, der Abteilung für Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) sowie dem Institut für Theater, Medien und Populäre Kultur der Universität Hildesheim.
Dance Resonance – Artistic Attunement in Motion lautete das Thema des diesjährigen Symposiums der Gesellschaft für Tanzforschung, das vom 25.–27. September in Kooperation mit dem Artistic Research Center und der Abteilung für Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik der mdw sowie dem Institut für Theater, Medien und Populäre Kultur der Universität Hildesheim am mdw-Standort Rennweg, einem ehemaligen Klostergebäude der Salesianerinnen, stattfand. Dieser Ort hätte nicht idealer sein können, um die rund 100 Präsentationen (Vorträge, Lecture Demonstrations oder Performances, Workshops und Panels) von und mit weit über 200 Teilnehmer:innen auf sechs stimmungsvolle Räume bzw. Säle zu verteilen.
In einer ersten Keynote führte Prof. Dr. Gabriele Klein in Hartmut Rosas „Resonanz“-Begriff ein, der im Zentrum seiner „Soziologie der Weltbeziehung“ steht. Als Soziologin, Tanzwissenschaftlerin und Performance-Theoretikerin legte sie wesentliche Kennzeichen dieser Theorie ebenso stringent wie differenziert dar und arbeitete markante Kritikpunkte heraus, um schließlich zu erörtern, ob bzw. inwiefern dieses Konzept für die Tanzpraxis bzw. Tanzwissenschaft von Interesse sein könnte. Die zweite Keynote von Dr. Andrea Amort bildete den Nukleus zu einem kleinen Symposium innerhalb dieser grundsätzlich sehr offen und breit angelegten Jahrestagung, das sich ausschließlich Nachwirkungen – Resonanzen im weiteren Sinne – der „Hochschule für Rhythmik, Gymnastik und Tanz“ in Laxenburg bei Wien widmete. Die dritte und abschließende Keynote von Darrel Toulon, der 15 Jahre als Chefchoreograph an der Oper Graz wirkte, bevor er sich auf der Basis eines von ihm kreierten „Docu-Dance-Theatre“ für (aus unterschiedlichsten Gründen) marginalisierte und stigmatisierte Menschen einsetzte, fokussierte Resonanzen in Transformationsprozessen.
Die thematische Spannbreite der anderen Präsentationen umfasste (u.a.) (multi-)sensorische, eco-somatische, ökologische, räumliche, digitale, soziale, relationale, queere, dekoloniale, pädagogische bzw. vermittelnde, gemeinschaftsstiftend-partizipative, inklusive und vor allem auch kritische Aspekte des Resonanz-Konzepts mit seinen Möglichkeiten zu künstlerisch-kreativen Gestaltungsprozessen. Nicht weniger beeindruckend war die Provenienz der Vortragenden, die aus verschiedensten Ländern Europas, Nord- und Südamerika, dem Mittleren Osten sowie Ostasien nach Wien anreisten, um einen Beitrag zu diesem Symposium zu leisten, das – Emergenz-Phänomenen vergleichbar – letztlich wesentlich mehr war als die Summe von Einzelbeiträgen: ein buntes Kaleidoskop von Perspektiven, bei dem durch jede (Dreh-)Bewegung neue Facetten zum Vorschein kommen. Durchaus im Sinne des Resonanz-Konzepts von Hartmut Rosa entwickelten sich in drei quirlig-intensiven Tagen aufgrund von Affizierungen (als „Fähigkeit und Erfahrung eines ,Berührtwerdens‘ durch Anderes, ohne durch dieses Andere dominiert oder fremdbestimmt zu werden“) und Selbstwirksamkeit („als Fähigkeit und Erfahrung, dieses Andere zu berühren oder zu erreichen, ohne über es zu verfügen oder es zu beherrschen“) Transformationen (als wechselseitige Anwandlungen, für die ein „Sich-Einlassen auf die Dinge sowie die Bereitschaft, sich selbst zu verändern, sich gleichsam aufs Spiel zu setzen“, erforderlich ist), deren Ergebnisse derzeit noch gänzlich offen sind. Ungeachtet dieser „Unverfügbarkeit“ weiterer Entwicklungen lassen jedoch die zahlreichen, überwiegend enthusiastischen Rückmeldungen vermuten, dass dieses Symposium noch lange „resonieren“ wird.
Das Organisationsteam
Dominika Cohn, Vera Djemelinskaia, Stephanie Schroedter, Anna Wieczorek