Tanz Resonanz – Künstlerische Weltbeziehungen in Bewegung
Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung e.V. (gtf)
Wien, 25. bis 27. September 2025
in Kooperation mit dem Artistic Research Center, der Abteilung für Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) sowie dem Institut für Theater, Medien und Populäre Kultur der Universität Hildesheim.
programm
Booklet of abstracts
Rückblick
Im Zentrum dieses Symposiums stehen Auseinandersetzungen mit Resonanz-Konzepten, die um Fragen einer spezifisch künstlerisch-kreativen, vor allem performativ-bewegten Affizierung, Selbstwirksamkeit, Transformation und Unverfügbarkeit kreisen (nach Hartmut Rosas Soziologie der Weltbeziehung, 2016).
In drei Keynotes (Gabriele Klein/Hamburg und Amsterdam, Andrea Amort/Wien, Darrel Toulon/Wien), knapp 40 Vorträgen, über 20 Lecture Performances, rund 10 Workshops sowie 8 Panel-Diskussionen mit Referent*innen aus verschiedensten Ländern Europas, Nord- und Südamerika, dem Mittleren Osten sowie Ostasien werden multisensorische, gemeinschaftsstiftende, historische, ökologische, queere und de-/postkoloniale Dimensionen des Resonanz-Begriffs vorgestellt, dabei auch explizit kritische Perspektiven eingenommen.
Für eine ebenso konzentrierte wie stimmungsvolle Durchführung dieser (aufgrund des lebhaften Zuspruchs) ungewöhnlich umfangreich konzipierten gtf-Jahrestagung sorgt der Veranstaltungsort: eine hochbarocke Klosteranlage im Herzen Wiens (3. Bezirk: Rennweg 8, neben dem Schlossgarten Belvedere). In vier ausgiebigen Pausenblöcken zwischen den sechs Parallelsektionen laden weitläufige Flure, großzügige Pausenräume bzw. Säle und ein ruhiger Innenhof zum Austausch und Verweilen ein.
Folgende Themenfelder bilden Schwerpunkte, schließen jedoch weitere Aspekte der Symposiumsthematik nicht aus:
- Resonanz als multisensorischer Begriff: wie kann der Körper mithilfe von verschiedenen Sinnen mit der ihn umgebenden Welt in Beziehung treten? Wie werden darüber die Dominanzen einzelner Sinne in Frage gestellt? Wo ergeben sich Schnittstellen zur aktuellen Praxis inklusiver Kunstpraktiken in Form von „Aesthetics of Access“ (Sealey 2012)? Inwiefern kann dabei ästhetische Erfahrung mit Praktiken von „Care“ verknüpft werden, wie dies beispielsweise Yuriko Saito (2022) vorschlägt?
- Resonanz als gemeinschaftsstiftender Begriff: wie wurde/wird Gemeinschaft mithilfe von (körperlichen) Weltbeziehungen konstruiert, welche politischen Implikationen stecken im „In-Beziehung-Treten“ von Körpern? Welche Formen und Beispiele finden sich im (post)modernen und zeitgenössischen Tanz – und wo liegen die Schnittstellen zu Partizipation und Vermittlung?
- Wo zeigen sich Schnittstellen mit einer historisch-resonierenden Praxis: Wie lassen sich über Tanz/ Bewegung und/oder Musik – etwa in Anlehnung der von Jaques-Dalcroze begründeten „Rhythmik“ oder anderen „Praktiken“ – sinnstiftende Weltbeziehungen herstellen, die nachhaltig resonieren? Mit welchen Kulturtechniken suchte man in den 1920er und 1930er Jahren einem als „entfremdet“ wahrgenommenen Körper zu begegnen – und welche Resonanzbewegungen werden heute vorgeschlagen, um sinnhafte Weltbeziehungen zu bewahren oder herzustellen? Und inwiefern lässt sich Rosas Resonanz-Begriff vor diesem Hintergrund auch kritisch perspektivieren?
- Ökologie: Der Resonanzbegriff versteht menschliche Subjekte in Relation zu ihrer Umgebung und wendet sich zugleich dezidiert gegen einen rein ressourcenorientierten Umgang mit der „Umwelt“. Dies bietet Anschlussstellen, um das Konzept der Resonanz posthumanistisch zu erweitern. Hieran ansetzend fragt die Tagung nach Verflechtungen von Menschen und Nicht-Menschlichem in einer ökologischen und planetarisch-feministischen Dimension von Resonanz (Gayatri Chakravorty Spivak, Margarita Tsomou).
- Wie zeigen sich insbesondere im Tanz Fragen von In-Beziehung-Treten als queere Praxis? Und wie kann eine queere Befragung von Tanzgeschichte andere historische Resonanzachsen hervorbringen?
- Wie zeigt sich „Resonanz“ aus de/postkolonialer Perspektive und welche kritischen Erweiterungen ergeben sich hieraus? Wo ist ein In-Beziehung-Treten von Machtdynamiken und Hierarchien geprägt und wie ließe sich dieses dekonstruieren? Zu denken wäre etwa an die „Philosophie der Weltbeziehung“ von Édouard Glissant, der ein relationales „Denken des Bebens“ proklamiert, das ebenso in und als „Schwingung“ wirkt (Glissant, 2021: 45).
Konzeption/Planung/Durchführung
Dominika Cohn, Vera Djemelinskaia, Stephanie Schroedter, Anna Wieczorek