Re-Routing Routines
Routinen reflektieren

Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung e.V. (gtf)
Frankfurt am Main, 4. bis 27. September 2025

in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK)

Programm

Booklet of abstracts

Routinen, habitualisierte Verhaltensweisen, die unseren Alltag, unsere Arbeitsweisen und unsere Lebensformen konstituieren und strukturieren, sind in den Kulturwissenschaften trotz der vielzitierten Habitus-Theorie Pierre Bourdieus vergleichsweise wenig beachtet worden. Übernommen wurde jedoch die dort als negativ konnotierte statische Komponente gewohnheitsmäßigen Handelns – „Routine zerstört das Stück“ weiß eine Publikation über den Regisseur und Intendanten Walter Felsenstein, „intelligente Strategien“ werden in der Unterrichtskultur „öder Routine“ konfrontiert –, eines Handelns, das hier als stur-starre Praxis ‚der Kunst‘ gegenübergestellt wird. Wobei die Nähe zwischen der stabilisierenden Kraft der Routine und der innovativen Instabilität künstlerischer Praxis größer ist, als zunächst vermutet, wie Katarina Kleinschmidt (2018) am Beispiel der Routinen des choreographischen Arbeitens gezeigt hat.

Als dynamisch und generativ konzeptualisiert den Begriff auch die Forschungsrichtung der „Routine Dynamics“ (2021): „Routine Dynamics involves de-centring and dis-solving conventional points of view. ‚Routine‘ is a noun, but a routine is not a thing. Routines are repetitive, but not necessarily ‘routine’ (the adjective). Routines are dynamic.” Und sie sind verkörperte Routinen, performt “by people who think and feel and care” (Feldman 2000). 

Das diesjährige gtf-Symposium widmet sich der Neubetrachtung von Routinen im Kontext von Tanz und dessen Vermittlung sowie einem Versuch der Neubestimmung von Routinen in einem drastisch veränderten Alltag – bestimmt durch die Covid-19-Pandemie und die zahlreichen, zeitgleich stattfindenden Kriege und andauernden Kriegs- wie Fluchtfolgen nah wie fern, im Jemen, weiterhin in den Todeslagern in Libyen nach 2015 und in Europa mit dem Krieg in der Ukraine (Stichwort: „Zeitenwende“). Zu untersuchen sind Routinen, die sich im Spannungsfeld von Stabilisierung und Veränderung bewegen. Themenfelder sind:

  • Routinen der Performanz: Dimensionen von Publikums-, Produktions- und Aufführungsroutinen, Potentiale der Veränderung, Möglichkeiten der Dokumentation und Beschreibung; Inventare spezifischer und personaler künstlerischer Routinen
     

  • Routinen der Vermittlung: Dimensionen von Unterrichts- und digitalen Routinen; Handwerkliche Routinen und Routinen der Repetition; Routinen des Trainings und deren Genese;
     

  • Routinen des Alltags: Dimensionen persönlicher Praxis und deren Transformation durch Pandemie und wirtschaftliche Verwerfungen;
     

  • Routinen der Methodik: Überprüfung der eigenen Forschungspraxis und -perspektive angesichts von Globalisierung und ersten Anzeichen der De-Globalisierung, von Klimawandel und Pandemie.
     

  • Theoretisierung von Routinen: Unterscheidungen und Überschneidungen von „Routine“ und „Ritual“, „Praxis“, „Gewohnheit“, „Manier“; Untersuchung von „embodied routines“.

Konzeption/Planung/Durchführung

Prof. Dr. Katja Schneider

Tagungen

Die alljährlich stattfindenden Symposien bilden den Höhepunkt der Aktivitäten der Gesellschaft. Die Symposien sind interdisziplinär angelegt und dienen einem breiten Austausch.