Sound – Traces – Moves: Klangspuren in Bewegung
Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung e.V. (gtf)
Salzburg, 18. bis 20. November 2016
in Kooperation mit dem Orff-Institut der Universität Mozarteum/Salzburg.
programm
Im Mittelpunkt dieses Symposions steht die Performativität von Klängen im Kontext von choreographierten oder improvisierten, d.h. künstlerisch gestalteten Bewegungen. Der Begriff des Klanges umfasst dabei ein weites Feld von Musik (als zusammengesetztes Material tonaler wie atonaler Provenienz) bis hin zu Geräuschen (als einem akustischen Rauschen mit dezidiert ,rauhen‘ Konturen). Leitend ist dabei die Annahme, dass sich solche Klänge ebenso wie (reale oder virtuelle) Körperbewegungen aufgrund ihrer Flüchtigkeit in Raum und Zeit auch als Spuren begreifen lassen. Sie können mit anderen künstlerischen (Bewegungs-)Spuren, beispielsweise den großzügigen Pinselstrichen eines Malers, den feinen Strichzeichnungen eines Graphikers, den Lichtprojektionen einer digitalen Installation oder den unsichtbaren Spuren sensorgestützter Motion-Tracking-Verfahren in einen Dialog treten, um dem Hören und Sehen von Bewegungsdynamik weitere raum-zeitliche Dimensionen zu erschließen. Es gilt, dem hieraus resultierenden Geflecht von Sinneseindrücken ,auf die Spur‘ zu kommen.
In Vorträgen, Lecture Performances, Workshops, Soundwalks und Poster-Präsentationen werden sowohl (proben-)prozessorientierte als auch produktionsästhetische Facetten dieser Spurensuchen vorgeführt und diskutiert, um künstlerischen wie pädagogischen Anwendungsfeldern neue Praktiken zu erschließen.
Konzeption/Planung/Durchführung
Margrit Bischof, Stephanie Schroedter, Sonja Stibi
Unter Mitarbeit von
Marianne Bäcker, Josephine Fenger, Alexa Junge, Sabine Kaross, Christa Zipprich, Helge Musial, Andrea Ostertag, Susanne Rebholz, Astrid Weger-Burkhardt
Referent*innen / Performer*innen
Johannes Birringer • Rose Breuss, Julia Mach und Ursula Brandstätter • Marc Brooks • Werner Chromecek • COLLECTIF (Irina Pauls, Susanne Rebholz, Florian Müller, Rahel Imbach-Ferner, Studierende Orff-Institut) • Annalisa Derossi und Gianfranco Celestino • Corinna Eikmeier, Martina Reichelt und Rémy Mouton • Kai Evans, Yuko Matsuyama und Ingo Reulecke • Josephine Fenger • Klaus Fessmann • Lisa Hall • Maria Hector, Hanne Pilgrim und Dorothea Weise • Leo Hofmann • Chieh-ting Hsieh • Anna Maria Kalcher • Heide Lazarus • Swetlana Lukanitschewa • Margarethe Maierhofer-Lischka • Krystyna Obermaier • Fernanda Ortiz, Pamela Goroncy und Jessica Buchholz • Julia Ostwald • Andi Otto • Foteini Papadopoulou, Lukas Tobiassen, Martin Schulte • Hannah Park und Carol Shansky • Hanne Pilgrim und Dorothea Weise • POGOensemble (Dilan Ercenk-Heimann, Denise Temme und Tessa Temme) Ingo Reulecke und Simon Rose • Henrique Rochelle • Simon Rose • Antje Scherholz • Stephanie Schroedter • Corinna Spieth-Hölzl und Tobias Grosshauser • Christoph Stange • Sonja Stibi • Angela Stoecklin und Jan Schacher • Benjamin Sunarjo • Helmi Vent • Anja Weber • Anna-Carolin Weber • Astrid Weger-Purkhart • Miloš Zapletal • Gil Zissu und Shaltiel Eloul
Impressionen des Symposiums: Durchatmen und Spuren weiterziehen – Impressionen vom Symposium Sound – Traces – Moves. Klangspuren in Bewegung
Die Orff-Studierenden eröffnen mit ihrem Stück Silence must be den Jubiläumsabend 30 Jahre gtf innerhalb des Symposiums Sound – Traces – Moves. Klangspuren in Bewegung in Salzburg. Im anschliessenden Perkussionsstück auf einer persischen Tombak verbindet Philipp Lamprecht kreativ und experimentell Rhythmus mit Nonsense-Texten. Ein gelungener Auftakt zu einem speziellen Abend, der in vielerlei Hinsicht Spuren hinterlässt.
Während des Symposiums präsentieren über 50 Personen ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Ergebnisse aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Die verschiedenen Formate wie Lecture, Lecture Performance, Performance und Workshop bewähren sich, denn dadurch fühlen sich sowohl Kunstschaffende, Pädagog*innen, Therapeut*innen wie auch Wissenschaftler*innen angesprochen. Auf einige Beiträge wird im Folgenden kurz eingegangen.
In Stephanie Schroedters Einführung ins Thema Sound – Traces – Moves. Klangspuren in Bewegung erfahren wir, dass Spurenlesen Kontextwissen verlangt und Spuren als Zeichen zwischen etwas Vermittelbarem zu verstehen sind. Jedes Zeichen verweist auf eine Spur eines anderen Zeichens und Spurenlegen wird somit zu einem künstlerischen Prozess. Im Folgenden steht die Frage nach den künstlerischen Prozessen im Mittelpunkt.
In Helmi Vents Impulsbeitrag Songs of(f) Stage kann auf eindrückliche Art erlebt werden, wie künstlerische Prozesse ausgelöst werden. Anhand eines Films zeigt sie, wie in einem klassisch gebauten Theater mit Unter-, Oberbühne und Galerie auf originelle Art real vorhandene Raumklänge (z. B. Hoch- und Runterfahren einer Bühne) mit Klangräumen von Stimmen und Instrumenten in einen Dialog treten. Zum Beispiel wechselt sich ein rhythmisches Schlagen an Gitter mit einer raumfüllenden Sopranstimme ab – Begegnungen, die so nicht erwartet werden. Die hohe Komplexität sowohl bei der Klangerzeugung wie auch bei den performativen Aktionen fordert die Wahrnehmung bei uns im Auditorium heraus und lässt uns atemlos staunen.
Im Impulsvortrag und speziell im anschliessenden Workshop von Johannes Birringer ist es der Augenblick aus der Improvisation heraus, wo beim Aufeinandertreffen von auditiven, visuellen und taktilen Aktionen ein „living architectural-textile organismus“ (Birringer) entsteht, eine faszinierend kreative Atmosphäre, die zum Eintauchen einlädt.
Julia Mach setzt bei ihrem Tanz zur Spurensuche nach den kinästhetischen Ideen des Tänzers Alexander Sacharoff ihren Atem so ein, dass Atem und Stimme hörbar werden. Dadurch bricht eine archaische Energie hervor, die erleb- und sichtbar ist. Über den Weg der Mimesis kann bei den Zuschauenden der Körper der Tänzerin als Musik und die Musik als Tanz wahrgenommen werden. Dem Trio Rose Breuss, Julia Mach und Ursula Brandstätter gelingt es aufzuzeigen, wie die Suche nach verlorenen Bewegungsspuren aus drei verschiedenen Perspektiven künstlerischer Forschung erfolgen kann.
Der eigentliche Jubiläumsakt besticht durch die Podiumsrunde. Stellvertretend für die verschiedenen Vorsitzenden lassen vier Personen oft auf humorvolle Weise bedeutende Augenblicke aus den vergangenen 30 Jahren aufleben. Sie tun dies anhand ihrer mitgebrachten Gegenstände und den damit verknüpften Erinnerungen, richten zum Schluss aber mit ihren Wünschen für die Zukunft auch den Blick nach vorne.
Visuelle und kinästhetische Spuren lässt auch das Duo con Piano zurück, eine einzigartige Performance von vier Händen, vier Füssen, zwei Körpern und einem Piano, wobei oft nicht klar ist, wer was tut. Die unter sich und mit dem Klavier verschlungenen Körper tanzen und spielen Musik im Trio – ein sich steigernder Genuss an Tanz und Musik.
Beim anschliessenden Feiern werden Erinnerungen aufgefrischt und die gelöste Stimmung zeigt, wie lebendig die Gesellschaft für Tanzforschung ist und bestimmt auch in Zukunft sein wird.
Die Abschlussperformance in/out von Benjamin Sunarjo wird zur grossen und einzigartigen Überraschung. Der Performer lässt uns mit seinem Atem, der durch eine Aktiv-Box verstärkt wird, hören, sehen und spüren, was wir eigentlich in diesen drei Tagen Symposium erlebt haben: mit einigen ruhigen Atemzügen und Tanzbewegungen beginnend, tauchen nach und nach alle Schattierungen auf wie aufgeregt, freudig erregt, gehetzt, relaxt, erschöpft, atemlos, anwesend und abwesend. Der Künstler selber verschwindet am Schluss und lässt das Auditorium alleine mit dem atmenden Lautsprecher und den entsprechenden Imaginationen zurück. Ein eindrücklicher Abschluss!
Da das Symposium etwas früher als geplant endet, schenken wir uns zehn Minuten Zeit zum gegenseitigen Verabschieden und Beruhigen des eigenen Atems.
Wir danken an dieser Stelle dem Orff-Institut der Universität Mozarteum Salzburg für die grosszügige Gastfreundschaft und Sonja Stibi für ihren unermüdlichen Einsatz vor Ort. Wir danken Alexa Junge von der Geschäftsstelle für die ausgezeichnete Vorbereitung und den reibungslosen Verlauf in Salzburg, Stephanie Schroedter & Margrit Bischof für ihr Engagement bei der Organisation, Programmation und Durchführung, den Vorstandsmitgliedern für ihren unermüdlichen Einsatz vor Ort, allen Referierenden für ihre Präsentationen und den Teilnehmer*innen für ihr aktives, wohlwollendes Mitmachen.